Jürgen Schwab: Antifa, ganz unten
04.02.10 (Allgemein)

Daß „Antifa” nicht unbedingt etwas mit links und mit Sozialismus zu tun hat, haben mittlerweile schon viele linke Autoren erkannt, wie Jürgen Elsässer oder Werner Pirker von der „Jungen Welt”. Im Grunde genommen geht es den meisten Antifas darum, sich ein jugendliches Revoluzzer-Mäntelchen umzuhängen und in trendiger Kleidung mit den eigenen Aktionen offene Türen einzurennen - bei den Lehrern in der Schule, an der Uni, am Arbeitsplatz, bei den etablierten Parteien in der eigenen Stadt, bei der Lokalpresse wie den NN. So demonstriert man dann gemeinsam mit SPD- und Unionspolitikern gegen die NPD und ähnliche Gruppierungen.
Die Antifa besteht auch zu größten Teilen nicht aus Arbeitern oder deren Kindern. Ganz im Gegenteil, die Arbeiter verachtet man, weil diese mit der bürgerlichen „Antifa” nichts zu tun haben wollen. Die Antifa besteht zu größten Teilen aus Bürgersöhnchen und Töchtern, die überall raushängen lassen müssen, daß sie aufs Gymnasium gehen oder studieren, weil Papi die 500 Euro Semestergebühren abdrücken kann. Dafür hänselt man Arbeiter, weil diese sich mitten in Franken auf Sächsisch unterhalten. Dies erlebte ich neulich auf den Publikumsbänken in einem Nürnberger Gerichtssaal, wo Antifas Arbeiter, die dem Nationalen Widerstand angehören, hochnehmen wollten, weil diese kein Hochdeutsch sprechen, sowieso nicht lesen und schreiben könnten, usw. Daß die Damen und Herren Gymnasiasten somit nur ungewollt ihren bürgerlichen Individualismus offenlegten, zu dieser Erkenntnis reicht ihr Verstand freilich nicht.
Auch das intellektuelle Niveau ist bei der Antifa doch recht verschieden verteilt. Manche dieser Kreaturen sind nicht einmal in der Lage, im Internet zu recherchieren. So wird auf einer Antifa-Seite in Bezug auf den Aufruf zur nationalen 1. Mai-Demo in Schweinfurt behauptet: „Mit einem Bezug auf den SPD-Salonrassisten Thilo Sarrazin, für den ‚die meisten Türken in der BRD zu dumm? seien, schieben sie lächerlicherweise unter, er wolle Juden als Arbeitskräfte nach Deutschland holen, wodurch ihr paranoider Antisemitismus zum Vorschein kommt.”
Siehe: http://linksunten.indymedia.org/de/node/15946
Hier hätte das betreffende Schmierfink nur per Suchmaschine „Thilo Sarrazin” mit „osteuropäische Juden” verknüpfen müssen, dann wäre es auf viele Einträge im weltweiten Netz gestoßen, denen man entnehmen kann, daß Bundesbank-Sarrazin sehr wohl intelligente osteuropäische Juden lieber in Deutschland sehen würde als türkische und arabische Obst- und Gemüsehändler.
Siehe: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,653065,00.html
Aber wahrscheinlich ist der Antifa-Schreiberling schon zu sehr antideutsch bzw. antinational geblendet, so daß er oder sie die wirklichen Zusammenhänge und politischen Interessen des Kapitals nicht erkennen kann. So lebt dann manch einer oder eine in seiner/ihrer eigenen Phantasiewelt.
Aber das soll nicht heißen, daß die Antifa überall so dumm ist. Auf der sehr intelligent aufgemachten antiimperialistischen Seite „Gegenstandpunkt” aus Mittelfranken, die wie die gleichnamige Zeitschrift unter Regie von Peter Decker steht, …
Siehe: http://www.gegenstandpunkt.com/gs/09/4/gs20094c11h1.html
… wird sehr genau analysiert, wie der neue Faschismus funktioniert, wie dieser „Zuwanderer” nach deren Arbeitswert eingruppiert.
Am Rande sei erwähnt, daß ich Peter Decker ein interessantes Seminar zu verdanken habe, das ich am 7. März 2009 im Nürnberger Zentrum DESI besuchte.
Siehe: http://redside.antifa.net/cms/barricada/gegen-den-nato-gipfel-in-strasburg-kehl-und-baden-baden/
Dabei handelte es sich um ein Seminar von „Gegenstandpunkt” und den Autonomen von der OA (Organisierte Autonomie) zur Vorbereitung auf den NATO-Gipfel in Straßburg, Kehl und Baden-Baden. Auf dem Podium saß als Moderator Robert von der OA, der an Peter Decker die Frage nach der Rolle der Arbeiterklasse im Imperialismus stellte, ob wie damals - im Zweiten Weltkrieg - der Arbeiter Krause mit dem Herrn Krupp gemeinsam das Projekt Stalingrad bzw. heute Kundus gestalteten; und Decker wiegte lange den Kopf, wobei ihm dann doch ein deutliches „Ja” entrutschte.
Ich konnte aus diesem Seminar viel an Wissen mitnehmen. Also Antifa muß nicht dumm sein! Ob allerdings Tatjana Sambale von der SDAJ (Sozialistische D e u t s c h e Arbeiterjugend) auch von diesem Seminar für ihre Arbeit profitieren konnte, das weiß ich nicht.
Siehe: http://www.npd-verbot-jetzt.de/statements/?5913
Ich saß direkt hinter Frau Sambale, hatte mich aber in der Diskussion nicht mit ihr unterhalten. Vielleicht war dies ein Versäumnis von mir. Denn wer miteinander redet, schlägt nicht aufeinander ein, denunziert nicht politisch Andersdenkende, die in bestimmten Gaststätten verkehren.
Siehe: http://de.indymedia.org/2009/08/258789.shtml
Am Ende könnte man dann auch die ANTI-Antifa auflösen. Das ist mein (bislang unerfüllter) Traum!
Aber zurück zu Peter Decker. Der ist wirklich eine intellektuelle Bereicherung, auch wenn man mit ihm nicht in allen Punkten übereinstimmt. Vielleicht sollte einmal die Antifa Schweinfurt bei ihm um Nachhilfe ersuchen.
Jürgen Schwab
Bücher von Jürgen Schwab:
Angriff der neuen Linken - Herausforderung für die nationale Rechte. Hohenrain Verlag, Tübingen 2009, 19,80 Euro.
Die „westliche Wertegemeinschaft”, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 19,50 Euro.
Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk - Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 9,80 Euro.
Siehe auch: www.sache-des-volkes.info




