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Jürgen Schwab: Das deutsche Volk, der deutsche Nationalismus und die deutschen Burschenschaften im 21. Jahrhundert

11.05.09 (Allgemein)

Ein Vortrag von Jürgen Schwab; gehalten am 8. Mai 2009 bei Burschenschaft Normannia zu Jena

Sehr geehrte Herren Burschenschafter,

zunächst einmal möchte ich mich bei Ihnen recht herzlichen Dank dafür bedanken, daß ich bei Ihnen – bei Burschenschaft Normannia zu Jena – einen Vortrag halten darf.

In meinem Vortrag werde ich die Burschenschaften im Allgemein kritisch, aber doch der Sache entsprechend angemessen beleuchten. Meine kritischen Wertungen betreffen die Burschenschaften allgemein und nicht in jedem Falle einzelne Mitglieder derselben.

Wenn man einer Organisation angehört, ist es manchmal gut, wenn ein Außenstehender das eigene Verhalten, den eigenen weltanschaulichen Anspruch der kritischen Analyse unterzieht. Da Sie sich als Mitgliedsbund der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG) auch dem Wahlspruch der Deutschen Burschenschaft (DB) „Ehre, Freiheit, Vaterland” verpflichtet fühlen, ist es für Sie wohl selbstverständlich, daß Sie ein breites Meinungsspektrum in Ihren burschenschaftlichen Diskurs einbeziehen. Dazu gehören wohl auch Standpunkte, die nicht jeder von Ihnen teilen muß.

Nationalrevolutionäre Tradition der Deutschen Burschenschaft”

In meinem Buch „Volksstaat statt Weltherrschaft”, das 2001 im Tübinger Hohenrain-Verlag erschienen war, nahm ich in der Autorenvorstellung für mich in Anspruch, in der „nationalrevolutionären Tradition der Deutschen Burschenschaft (DB)” zu stehen. Derselbe Verlag hat auch hinsichtlich meines neuen Buches „Angriff der neuen Linken”, das 2008 erschienen war, diese Behauptung wiederholt: „Jürgen Schwab fühlt sich der nationalrevolutionären Tradition der Deutschen Burschenschaft (DB) verpflichtet.”

Was ist das eigentlich für eine „nationalrevolutionäre Tradition der Deutschen Burschenschaft”, in der ich stehen soll? Welche Tradition nehme ich, besser nahm ich einmal für mich in Anspruch? Ist es richtig, wenn ich anderen, die Mitglieder von Mitgliedsbünden des Verbandes der DB sind, vorwerfe, nicht der „nationalrevolutionäre Tradition der Deutschen Burschenschaft” zu genügen?

Am 3. September 2004 hielt ich auf dem Haus der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn einen Vortrag zum Thema „Die Deutsche Burschenschaft – zwischen Anspruch und Wirklichkeit”. (Siehe: http://www.dt-akademie.de/politische/J%FCrgen%20Schwab/J%FCrgen%20Schwab_Vortr%E4ge/J%FCrgen%20Schwab_DieDeutscheBurschenschaft.htm)

In diesem Vortrag führte ich aus: „Die Deutsche Burschenschaft ist heute ein Verband deutscher Studenten und Akademiker mit ca. 120 einzelnen Bünden an Hochschulorten in der Bundesrepublik Deutschland und in der Republik Österreich. Den Bünden dürften insgesamt 15.000 Mitglieder angehören. Die DB sowie die Einzelbünde beziehen sich auf eine Tradition, die bis 1815, das Gründungsjahr der Jenaischen Urburschenschaft zurückreicht. Mit diesem historischen Bezugspunkt sollte ein politischer Auftrag verbunden sein, dem die Deutsche Burschenschaft heute insgesamt nicht mehr gerecht wird. Ersparen Sie mir bitte den Hinweis darauf, daß einzelne Burschenschafter sich heute nationalpolitisch engagieren, mancher Bund politische Veranstaltungen abhält, usw. usf. Auf die wenigen Ausnahmen hinzuweisen, dokumentiert ja bereits die politische und geistige Not, in der sich die Burschenschaften heute insgesamt befinden.”

Hin und wieder ist es sinnvoll, inne zu halten und die eigenen, zurückliegenden Gedanken neu zu überprüfen. Hinsichtlich meines Bonner Vortrags von 2004 möchte ich heute Selbstkritik üben. Als politischer Theoretiker bin ich mehr noch als andere dazu angehalten, die eigenen Worte genau abzuwägen. Möglicherweise erlag ich einer Selbsttäuschung, als ich im Wintersemester 1993/94 einem Mitgliedsbund der DB beitrat. Sicherlich, ich wußte damals schon, der ich zu diesem Zeitpunkt schon dem Umfeld der NPD zuzurechnen war, daß man mit den Burschenschaften keine nationalrevolutionäre Politik machen kann. Zu bürgerlich waren und sind ein Teil der Aktiven und die meisten Alten Herren gestimmt. Aber immerhin war ich mir damals noch sehr sicher, daß ich mich in einer Burschenschaft auf eine „nationalrevolutionäre Tradition” berufen könne. Heute bin ich mir da überhaupt nicht mehr so sicher.

Was ist „revolutionär” ?

Die Deutschen Burschenschaften sind heute nicht mehr revolutionär gestimmt, sie waren es aber sicherlich ab ihrem Gründungsjahr 1815, dem Jahr, als die Jenaische Urburschenschaft gegründet wurde. Nun unterliegt man allerdings einem Irrtum, mit dem Attribut „revolutionär” einen konkreten politischen Inhalt zu verbinden. „Revolution” ist zunächst einmal ein bloße Methode. Dem „Revolutionär” geht es darum, die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse umzukehren, das heißt das vorherrschende politische System zu überwinden. Mit dieser allgemeinen revolutionären Methode ist allerdings noch nichts über zwei Themen gesagt: Zum einen, welches System überwunden werden soll; zum anderen, welche ordnungspolitische Alternative dem Revolutionär vorschwebt. Das heißt, „Revolution” als Methode besagt an sich noch nichts über den politischen Inhalt, des vorherrschenden und des alternativen politischen Systems. Eine politische Bewegung, die wie die Burschenschaften ab 1815 die Fürstenherrschaft und Kleinstaaterei überwinden wollte, als revolutionäre Alternative zur Monarchie den bürgerlich demokratischen Nationalstaat propagierte, ist rund 200 Jahre später keinesfalls wieder zu einer Revolution verpflichtet.

Sicherlich, der Nationalstaat und das Volk als Abstammungsgemeinschaft sind nach wie vor Herzensanliegen echter, wahrhafter Burschenschafter. Allerdings ist die bürgerliche Revolution, auf die die Burschenschaften noch im 19. Jahrhundert abzielten, längst erreicht. Sozioökonomisch gehören gerade die meisten Burschenschafter heute der bürgerlichen Mittelschicht, viele der gehobenen Mittelschicht, manche gar der Oberschicht an. Der Typus des bürgerlich nationalen Burschenschafters lebt nun aber politisch in dem Dilemma, daß seine Zeit, das goldene Zeitalter, dem er sich immer noch verpflichtet fühlt, längst abgelaufen ist. Das Zeitalter, in dem die bürgerlich kapitalistische Ordnung im Nationalstaat ihren Ordnungsrahmen fand, ist definitiv vorbei! Um es mit Karl Marx auszudrücken: Die Kapitalakkumulation bzw. die Konzentration von Konzernen und Finanzkapital hat die Grenzen der Nationalstaaten längst gesprengt. Die Grenzen sind nun offen für die vier Freiheiten des Kapitals: für die Freiheit von Waren, Dienstleitungen, Kapital und Arbeitskräften. Mit dem freien Verkehr von Arbeitskräften ist unweigerlich die „multikulturelle Gesellschaft” verbunden. Wenn diese noch wenige Jahrzehnte weiter am wirken sein wird, wird das deutsche Volk als Abstammungsgemeinschaft bald Geschichte sein. Der Volkstod würde dann auch die anderen europäischen Völker betreffen.

Das Bürgertum, in das deutsche Burschenschafter heute eingebunden sind, ist heute antirevolutionär. „Revolutionär” ist dieses Bürgertum nur insofern, wenn man in der kapitalistischen Globalisierung die Revolution an sich sieht. Karl Marx sprach in diesem Zusammenhang von der „kapitalistischen Weltrevolution”. In diesem Sinne wäre das Bürgertum vor allem in den Gesellschaften der „Westlichen Wertegemeinschaft” als „revolutionär” kapitalisitsch bzw. globalistisch einzugruppieren. Hingegen wird dieses Bürgertum, dem deutsche Burschenschafter heute angehören, eines nicht sein können: nationalrevolutionär. Diese Erkenntnis hatte ich allerdings im Wintersemester 1993/94 noch nicht, hätte ich damals diese Erkenntnis schon besessen, wäre ich sicherlich niemals einer Burschenschaft beigetreten.

Die meisten gegenwärtigen Burschenschafter möchten am liebsten zurück in den bürgerlichen deutschen Nationalstaat. Daß dies nicht geht, leuchtet wohl den meisten ein. Die Globalisierung, die sich über nationale Grenzen hinwegsetzt, scheint einem Naturgesetz zu gehorchen. Deshalb resigniert der typische Burschenschafter heute in politischer Hinsicht, vor allem wenn er einkommensmäßig saturierter Alter Herr ist. Daraus folgt, daß der eigene Bund, das eigene Burschenschafterhaus nur noch als kulturelles Rückzugsfeld dient, in dem man versucht, wenigstens etwas von der eigenen Tradition zu retten.

Die Burschenschaften sind heute nicht mehr revolutionär

Daß die Burschenschaften heute alles andere als revolutionär sind, beweisen die wenigen politischen Aktionen und Kampagnen, die noch von der DB ausgehen. So feiert die Münchner Burschenschaft Danubia ihre Streichung aus dem bayerischen „Verfassungsschutzbericht” als „Teilerfolg im Kampf mit dem Innenministerium”. Erinnern wir uns. Im Jahr 2001 hatte der damalige bayerische Innenminister Günther Beckstein die Danubia erstmals als „extremistisch” eingeordnet. Vorausgegangen war eine gewalttätige Auseinandersetzung von deutschen Nationalisten mit einem Ausländer vor einer Münchner Gaststätte. Einer der deutschen Nationalisten übernachtete daraufhin auf dem Haus der Danuben. Daraufhin entwickelte sich eine Pressekampagne, in die sich die linke Antifa und auch opportunistische CSU-Kreise einschalteten.

Zur öffentlichen Diskussion gestellt wurde damals auch die Rednerliste der Danuben in bezug auf die vorangegangenen Bogenhausener Gespräche usw. (dieser Rednerliste gehörte auch ich an; im Jahr 1999 stellte ich während der Bogenhausener Gespräche” mein Buch „Die Meinungsdiktatur” vor). Diese Münchner Burschenschaft führte dann seit 2001 einen Kampf gegen die Eingruppierung als „rechtsextremistisch” bzw. „verfassungsfeindlich” im bayerischen „Verfassungsschutzbericht”. Letztendlich war diese Aktion erfolgreich, wie der ehemalige Bonner Ministerialdirigenten Hans Merkel (CSU) im Namen der von ihm gegründeten Bürgerinitiative „Akademische Freiheit” verkündete. (siehe: http://www.akademische-freiheit.de/)

Im Jahr 2008 wurde nämlich die Danubia vom Innenminister Herrmann aus dem bayerischen „Verfassungsschutzbericht” – für das Berichtsjahr 2007 – gestrichen. Merkel, der als Alter Herr der Burschenschaft Arminia-Rhenania zu München angehört, wertet dies allerdings nur als Teilerfolg. Denn nach wie vor lastet auf dem jungen Münchner Rechtsanwalt Sascha Jung unter Hinweis auf seine Mitgliedschaft in der Danubia ein Berufsverbot. Jung wird nach wie vor die Einstellung in den Staatsdienst verweigert. Unterstützt wird Jung von der konservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit”, die Merkels Bürgerinitiative „Akademische Freiheit” mit kostenlosen Anzeigen unterstützt. Bis zur Streichung der Danubia aus dem bayerischen „Verfassungsschutzbericht” wurden 3.000 Protestunterschriften gegen die Stigmatisierung der Danubia als „rechtsextrem” und gegen das Berufsverbot Jungs gesammelt.

Hierbei wuchs zusammen, was zusammengehört. Die „Junge Freiheit” ist ebenso stolz darauf, nicht mehr in den „Verfassungsschutzberichten” als „rechtsextrem” geführt zu werden – wie die Münchner Burschenschaft Danubia. Daß seit Bestehen der BRD eine Reihe von Kommunisten, Nationalisten, selbst Nationalkonservativen unter das Schwert des Berufsverbots gefallen sind, ihnen der Weg in die Beamtenlaufbahn verwehrt wurde, oder sie aus dem öffentlichen Dienst wegen „extremistischer” Einstellungen entlassen wurden, gerät dabei völlig unter die Räder. Als Beispiele sollen die NPD-Politiker Udo Voigt (Bundeswehr), Ulrich Eigenfeld (Deutsche Bahn), Jürgen Schützinger (Polizei) und Peter Deckert (Lehramt) genügen. Würde man Dieter Stein und Sascha Jung mit solchen Argumenten konfrontieren, würden sie einem glatt antworten, daß man vermeintliche Extremisten – wie sie selbst – nicht mit tatsächlichen Extremisten gleichsetzen dürfe. Daß wir bei solcher Argumentation aus dieser Richtung keine offene Solidarisierung mit historischen Revisionisten erwarten dürfen, die derzeit die Gefängnisse füllen – als Beispiele nenne ich Germar Rudolf, Horst Mahler, Sylvia Stolz, Ernst Zündel und Gerd Honsik -, dies versteht sich von selbst. Freiheit wird nicht für tatsächliche „Extremisten”eingefordert. Würde man es dennoch tun, stände man unter Verdacht, mit diesen zu symphatisieren. Und am Ende stünde man wieder dort, wo man erst kürzlich gestrichen wurde: im „Verfassungsschutzbericht”.

Verfassungsschutzbericht als Verhaltenskodex für Burschenschafter ?

Daß der Münchner Danube Sascha Jung das gegen ihn verhängte Berufsverbot als ungerecht empfindet, sollte man ihm nicht vorwerfen. Mir geht es an dieser Stellen nicht um Anklage gegen Dieter Stein, Sascha Jung und Hans Merkel und andere, sondern ich möchte ganz einfach festgestellt haben, daß wir es hierbei nicht mit Nationalrevolutionären zu tun haben, auch mit überhaupt keinen Revolutionären, sondern mit patriotisch gesinnten Bürgern. Hans Merkel brachte die Sache auf den Punkt, als er den Teilerfolg der Streichung der Danubia aus dem bayerischen „Verfassungsschutzbericht” in einer ersten Reaktion als „Schritt in die richtige Richtung” wertete, der zeige, „daß engagierter Bürgerprotest sich in Bayern durchaus lohnt.” Mein Fazit: Die burschenschaftlich patriotischen Bürger haben dagegen protestiert, daß man sie aus der etablierten Bürgergemeinschaft der BRD ausgrenzt und sie fühlen nun Genugtuung darüber, daß ihnen dieses Unterfangen – zumindest als Teilerfolg – gelungen ist.

Sascha Jung den Staatsdienst zu verwehren ist auch von der Sache her unbegründet. Ich kann mich noch an einen Vortrag von ihm erinnern, den er in den 1990er Jahren in Bayreuth zum Thema „Hofgeismarkreis in der SPD” gehalten hatte, bei dem er sich vom Spektrum der NPD eindeutig distanzierte. Auch später in einem Gespräch mit mir am Rande der Bogenhausener Gespräche in München teilte er mir – ohne daß ich danach gefragt hätte – mit, daß er mit dem „Rassismus” deutscher Nationalisten nichts zu tun haben wolle. Dies sollte man so respektieren, meine ich. Die entsprechenden BRD-Ministerien sollten den Verfassungspatriotismus des Sascha Jung ebenso respektieren und ihm den Zugang zum Staatsdienst nicht weiter verwehren.

Was die burschenschaftliche Ideengeschichte anbelangt, so könnte ich noch weiter an den Geist der Jenaischen Urburschenschaft von 1815 appellieren, wozu unzweifelhaft der Kampf gegen äußere Fremdherrschaft gehört. Ich zitiere aus deren Verfassungsurkunde: „Nur solche Verbindungen, die auf den Geist gegründet sind, auf welchem überhaupt nur Verbindungen gegründet sein sollten, auf den Geist, der uns sichern kann, was uns nächst Gott das Heiligste und Höchste sein soll, nämlich Freiheit und Selbständigkeit des Vaterlandes, nur solche Verbindungen benennen wir mit dem Namen einer Burschenschaft.” (Zitiert nach: Hans-Georg Balder (Hrsg.): Deutschlands Teilung und die Deutschen. Eine kritische Betrachtung aus burschenschaftlicher Sicht. Reihe: Deutsche Burschenschaft, WJK Verlag. Hilden, März 2001, S. 1.) Dieses Zitat ist im übrigen auch auf der Frontseite der Weltnetzseite von Burschenschaft Normannia zu Jena zitiert. (Siehe: http://normannia-netz.de/burschenschaft/index.php)

Zu erinnern ist auch daran, daß viele spätere Burschenschafter als Freiwillige an den Befreiungskriegen gegen Napoleon in den Jahren 1813 bis 1815 teilgenommen hatten. In diesen Befreiungskriegen gegen Napoleon kämpften nicht nur reguläre Truppen der deutschen Staaten, wie die von Preußen und Österreich, sondern es bildeten sich auch Freikorps, die oft aus freiwilligen Studenten und Dozenten bestanden. Eines dieser Freikorps waren die „Lützower Jäger”, die in schwarzen Uniformen mit roten Vorstößen und goldfarbenen Messingknöpfen kämpften, und die nach den Befreiungskriegen die Jenaer Burschenschaft gründeten, deren Fahne dann die gleichen Farben, nämlich schwarz, rot, gold trug. Diese Farben wurden nach den napoleonischen Befreiungskriegen zum Zeichen für alle, die sich gegen Fürstenwillkür, Kleinstaaterei stemmten. Sie versinnbildlichten zwei politische Ziele: Die nationale Einigung aller deutschen Länder und das Streben nach einer demokratischen Verfassung. Die großdeutschen Nationalfarben „Schwarz-rot-gold„ haben ihre geschichtliche Wurzel in den Befreiungskriegen und der Jenaer Urburschenschaft.

Im Jahr 1815, als die Urburschenschaft in Jena am 12. Juni gegründet wurde, wiedersetzten sich ihre Angehörige den Beschlüssen des Wiener Kongresses vom Sommer 1815, der eine Zersplitterung Deutschlands in 38 Teilstaaten festgeschrieben hatte. Das Ziele der nationalen Einheit wurde trotz Verfolgung und Unterdrückung immer wieder in die Öffentlichkeit getragen. Das Wartburgfest am 18. Oktober 1817 in Eisenach bildete einen ersten Höhepunkt in der burschenschaftlichen Geschichte. Aus Anlaß der dreihundertsten Wiederkehr der Reformation hatten die mitteldeutschen Burschenschaften zu einem Treffen auf die Wartburg bei Eisenach (Thüringen) eingeladen. Das Wartburgfest sollte zugleich die Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig wach halten, bei der 1813 Napoleons Armee, wenn auch unter schweren Opfern, besiegt werden konnte.

Bürgerlicher Nationalstaat ist Vergangenheit

Aber wie schon von mir ausgeführt: Die gesellschaftliche Lage damals und heute ist nicht die gleiche. Das deutsche Bürgertum, dem die Burschenschaften damals wie heute gößtenteils angehör(t)en, war damals revolutionär, heute aber nicht. Damals, im 19. Jahrhundert, wollten die Besitz- und Bildungsbürger selbst den Staat führen, die Macht dem Adel entreißen. Das mißlang 1848 in der Frankfurter Pauslkirche, die ja überwiegend ein Burschenschafterparlament gewesen war. Im Bismarckreich von 1871 konnten die Bürger zwar gut verdienen, man trug den Staat mit, den man aber nicht führen konnte, da dieser einer konstitutionelle Monarchie gewesen war. Im Zweiten Deutschen Kaiserreich dominierten politisch und militärisch der Adel, wirtschaftlich das Bürgertum. Erst 1919 – mit der Weimarer Republik – kam das bürgerlich burschenschaftliche Gedankengut zur politischen Verwirklichung. Der Nationalliberale Max Weber war Vordenker dieser Republik, Gustav Stresemann einer der wichtigsten politischen Gestalter. Beide waren Burschenschafter.

Das Hitler-Regime ließ die Burschenschaften auflösen – dies nicht etwa aus ideologischen Gründen – der volkstumsbezogene Vaterlandsbegriff und die liberale Wirtschaftsauffassung konnten vom NS-System gut integriert werden -, sondern aus organisationspolitisch strukturellen Gründen. Einerseits setzte der Nationalsozialismus auf Zentralismus. Er strebte nach Gleichschaltung, dem die Vielbündelei von Burschenschaften und Bündischer Jugend widersprach. Zum anderen brauchte die Hitler Jugend die Neumitglieder aus der Bündischen Jugend, der NS-Studentenbund die der studentischen Korporationen.

Der Nationalsozialismus Hitlerscher Prägung war nur dem Namen nach „Sozialismus”. In Wirklichkeit war Hitler selbst „europäischer Bürger”, wie dies der Historiker Ernst Nolte in seinem Buch „Europäischer Bürgerkrieg” beschrieb. (Ernst Nolte: Der europäische Bürgerkrieg, 1917-1945. Nationalsozialismus und Bolschewismus. Propyläen Verlag (Ullstein), Frankfurt/Main, Berlin 1987, S. 152.)

Diese Sicht stimmt mit der von Leo Trotzki überein, der in Hitler das Vollstreckungsorgan des gesamten Weltkapitalismus erblickte, den „Ober-Wrangel der Weltbourgeoisie”. (Leo Trotzki: Soll der Faschismus wirklich siegen? Deutschland – der Schlüssel zur internationalen Lage. In: Schriften über Deutschland; Bd. 1, Frankfurt 1971, S. 157-158. Hier zitiert nach Nolte, ebenda, S. 188.) Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Pjotr_Nikolajewitsch_Wrangel

Diese Sicht Trotzkis stimmte wohl – bei anderen ideologischen Vorzeichen – mit der Hitlers überein, der auch meinte, die westlichen kapitalistischen Staat würden es mit Wohlwollen sehen, wenn sich das Dritte Reich kriegerisch gegen die Sowjetunion wendet. Dabei irrte sich allerdings Hitler gewaltig. Für die westlichen kapitalistischen Staaten war NS-Deutschland eine konkurrierende imperialistische Macht auf dem Weltmarkt. Keinesfalls waren Frankreich, Großbritannien und die USA damit einverstanden, daß Deutschland die Hegemonie über den gesamten europäischen und russischen Raum gewinnt.

Demgegenüber hatte Hitler keine Kriegsziele im Westen. Er wollte ursprünglich weder ein vereinigtes Europa unter deutscher Herrschaft noch Elsaß-Lothringen annektieren. Am 11. August 1939 äußerte Hitler in einer Unterredung auf dem Obersalzberg mit dem Völkerbundkommissar für Danzig Carl J. Burckhardt, der Hitler in seinem Bericht wie folgt wiedergibt: „Alles, was ich unternehme, ist gegen Rußland gerichtet; wenn der Westen zu dumm und zu blind ist, um dies zu begreifen, werde ich gezwungen sein, mich mit den Russen zu verständigen, den Westen zu schlagen und dann nach seiner Niederlage mich mit meinen versammelten Kräften gegen die Sowjetunion zu wenden. Ich brauche die Ukraine, damit man uns nicht wieder wie im letzten Krieg aushungern kann.” (Nolte, ebenda, S. 313-314.)

Ernst Nolte sieht im Jahr 1933 völlig zurecht die „antimarxistische Machtübernahme in Deutschland”. (ebenda, S. 28.) „Am 10. Februar [1933; J. Schw.] sprach Hitler im Berliner Sportpalast. Über dem Rednerpult war in großen Lettern der Satz zu lesen: ‚Der Marxismus muß sterben?. Und um dieses Motto drehte sich die ganze Rede, deren zentrale Sätze die folgenden waren: ‚Der Marxismus bedeutet die Verewigung der Zerreißung der Nation … nach außen pazifistisch, nach innen terroristisch – nur so allein konnte sich diese Weltanschauung der Zerstörung und der ewigen Verneinung behaupten … Entweder der Marxismus siegt oder das deutsche Volk, und siegen wird Deutschland.?” (ebenda, S. 34.)

Heute, im Jahr 2009, muß ich feststellen, daß der Marxismus staatspolitisch ebenso am Boden liegt wie der Faschismus bzw. der deutsche NS. Beides liegt nun auf dem Kehrichthaufen der Geschichte. Einerseits kann der Sozialismus nicht in einem utopischen internationalen Raum verwirklicht werden, andererseits kann sich die Nation nicht mehr auf Grundlage der bürgerlichen Ordnung bzw. der kapitalistischen Produktionsweise formieren. Beides ist ans Ende gelangt. Da gibt es kein Zurück mehr.

In der „Aula”, einem durch und durch burschenschaftlichen Magazin, befürchtet Wolfgang Hofer hinsichtlich der aktuellen Finanzkrise: „Die Linken werden Räterepublik à la Eisner und Liebknecht spielen wollen und die Massen zu mobilisieren versuchen.” („Die Aula. Das freiheitliche Magazin”, 60. Jahrgang, März 2009, S. 32-34, hier S. 34) Gleichzeitig muß Hofer aber doch bezüglich der aktuellen Krisenbewältigung feststellen: „Man argumentiert angebotsseitig, niemand erklärt, woher die notwendige Nachfrage an Gütern in einer weltweiten Rezession kommen soll. Die hohe Scheidungsrate, oft verbunden mit Unterhaltsverpflichtungen für Kinder, die stetig steigenden Lebenshaltungskosten, die wachsende Zahl an Arbeitslosen sowie Sozialhilfeempfängern, die steigende Diskrepanz bei Löhnen und Gehältern in bezug auf die kalte Progression sowie echte Inflationsabgeltung trotz der jüngsten steuerlichen Maßnahmen, die Benachteiligung der Frauen bei den Löhnen und die nicht breit genug gestreute Vermögensverteilung lassen den Privatkonsum massiv einbrechen. Dazu kommt die Angst vor der Ungewißheit, ob nicht noch alles schlimmer wird.” (ebenda, S. 33)

Hofer macht unfreiwillig das Dilemma, in dem sich bürgerliche nationale Politik befindet deutlich: Der deutsche bzw. deutschösterreichische nationale Bürger ist „Antibolschewist” bis tief in die Knochen. Er fühlt sich der bürgerlichen Ordnung, dem Privateigentum an den Produktionsmitteln und Dienstleistungsbetrieben zutiefst verpflichtet. Die Vorstellung eines sozialistischen Umsturzes erfüllt den deutschen Bürger mit Grauen. Bei der Frage „Privateigentum oder deutsches Volk” werden sich viele deutsche Bürger für ihr Privateigentum entscheiden.

Die Mitschuld der Rechten am Volkstod

Wir scheinen hier vor einem grundsätzlichen Problem zu stehen; an einer Scheidelinie, wo jeder für sich selbst seine Entscheidung zu treffen hat. Auf der nationalen und konservativen Rechten ist man sich zwar weitgehend einig darüber, daß die Völker des Abendlandes vor dem ethnischen und kulturellen Untergang stehen. Die einen, die nationalen Kräfte bedauern dies, wollen die Katastrophe noch abwenden, andere stehen diesem Prozeß gleichgültig gegenüber. Die Uneinigkeit besteht aber vielmehr in der Frage nach den Ursachen für den Untergang. Daß der Kapitalismus irgendwie mit verantwortlich ist für den bevorstehenden Volkstod, leuchtet wohl den meisten auf der Rechten ein. Aber ist man sich eigentlich bewußt, wie der Kapitalismus funktioniert? Reicht die rechte Kapitalismuskritik tief genug? Oder versucht man sich nur eine schönere, nationale oder traditionale Marktwirtschaft als scheinbare Lösung herbeizureden? Auf der Rechten tut man nämlich so, als ob es sich bei (bösem) Kapitalismus und (guter) Marktwirtschaft um zwei völlig verschiedene Gegenstände handeln würde. Nur auf Grundlage dieser Selbsttäuschung ist es möglich, daß seit Jahrzehnten von rechten Publizisten und Politikern die Marktwirtschaft als die Lösung gilt – für den vom Kapitalismus verursachten Zerfallsprozeß.

In der Tat haben wir es hierbei mit einem Thema zu tun, das auf der Rechten weitgehend ein Tabu darstellt: die Marktwirtschaft als hauptsächliche Ursache für den Untergang der europäischen Kulturen. Weil die meisten Rechten davor ihre Augen verschließen, um auch von sich selbst – als Befürworter der Marktwirtschaft – abzulenken, suchen sie unbewußt nach „Sündenböcken”, die daran schuld seien, daß die Marktwirtschaft nicht im völkischen, nationalen oder traditionalen Sinne funktioniert. Es ist aber die Marktwirtschaft an sich als Grund des Untergangs zu erkennen, also das Privateigentum an den Produktionsmitteln und Dienstleistungsunternehmen im Zusammenhang mit der freien Konkurrenz und einem Leistungsprinzip, das auf individuelle Profitmaximierung ausgerichtet ist.

Die meisten nationalen Rechten sind Befürworter der Marktwirtschaft. Sie suchen nur – möglicherweise im Unterbewußten – nach einem Schuldigen oder einer Gruppe von Schuldigen für das falsche Funktionieren der Marktwirtschaft. So befaßt man sich auf der Rechten mit den Freimaurern der Französischen Revolution von 1789 und den jüdischen Modernisierern und Globalisierern. Am Ende sind wir dann dort angelangt, wo schon Adolf Hitler in Mein Kampf (1925/26) gegen die „Börsenjuden” wetterte, wobei dieser Autor dann selbst die Institution der Börse gar nicht überwinden wollte und – an den Schalthebeln der Macht angelangt – auch gar nicht überwunden hatte. Am Ende bleibt dann als rechte „Vision” eine deutsche bzw. österreichische Börse bzw. eine nationale Marktwirtschaft, die sich gegen Fremdarbeiter, Billiglohnware und Finanzströme aus dem Ausland abschotten soll. Daß dies überhaupt nicht mehr in unsere heutige Zeit paßt, fällt den Leuten nicht auf.

Es wird auf der Rechten nicht zur Kenntnis genommen, daß die Marktwirtschaft ein historischer und dynamischer Prozeß ist, der sich – ausgehend von der sogenannten ursprünglichen Akkumulation (Karl Marx: Das Kapital, 1. Band, 24. Kapitel) – allmählich von einer Wirtschaft mit Markt zu einer Marktwirtschaft entwickelt hat. Dominierten noch im Mittelalter die kleinen lokalen Märkte, im Absolutismus die regionalen Märkte, im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die nationalen Märkte, so hat sich dies infolge von Akkumulation des Mehrwerts und Konzentration von Betriebsgrößen konsequent zum Weltmarkt entwickelt, wobei der europäische Einheitsmarkt der EU nur ein Zwischenschritt zum globalen Einheitsmarkt sein kann. Insofern ist es rührend, wie sich die nationale Rechte heute am überholten (bürgerlichen) Nationalstaat festklammert, diesen auf der gegenwärtigen Stufenleiter des Kapitalismus zu retten gedenkt. Man tut so, als ob man es heute noch mit den Märkten unter Hitler, Bismarck bzw. unter den Habsburgern zu tun habe.

Sollte es so weitergehen wie bisher, dann wird sich die demographische Katastrophe, vor der die Europäer und die Gesellschaften mit europäischer Besiedelung (USA, Kanada, Australien usw.) heute stehen, nicht mehr aufhalten lassen. Der Untergang der europäischen Menschheit läßt sich deshalb nicht mehr aufhalten, weil es innerhalb dieser europäisch geprägten Nationen keine starken nationalen und zugleich revolutionären Bewegungen gibt, die ihr Hauptaugenmerk auf die Marktwirtschaft als zentrale Ursache des kulturellen Unterganges richten. Bestimmte Marxisten hätten zwar das analytische Zeug zu solcher Erkenntnis, ihnen ist aber in der Regel die Existenz des geschichtlich gewachsenen Volks, dem sie selbst angehören, gleichgültig. „Volk” ist auf der Linken eine x-beliebig zusammengewürfelte Wohnbevölkerung. Für radikale Linke ist „Volk” die soziale Unterschicht derjenigen Personen einer Gesellschaft, die über keine Produktionsmittel verfügen. Dies kann auch ein in Berlin oder Wien lebender Türke sein, vor allem wenn er sich in der Gewerkschaft engagiert.

Die nationale Rechte ist hierbei auch Teil des Problems – bei allem Idealismus und bei allen Verdiensten, die solche Autoren und Aktivisten haben. Respektabel ist bei diesen Leuten der Ehrenstandpunkt, daß man die Rolle des geschlagenen Deutschen (bzw. Deutschösterreichers) annimmt, sich mit der Niederlage aber nicht abfinden mag, sich gegen pauschale Diffamierungen der Kriegsgeneration – mit geeigneten wie auch manchmal überzogenen Argumenten – zur Wehr setzt, sich nicht ins Privatleben zurückzieht, die Sache des Volkes, dem man selbst angehört, einfach ausfechten möchte. Dieser Typus des nationalen Rechten gedenkt nicht einfach so jämmerlich von der deutschen Bühne abzutreten. Richard Melisch, Hans-Dietrich Sander, Karl Richter und andere nationale deutsche Rechte mehr möchten wenigstens im Schlußakt des Trauerspiels noch eine gute Figur abgeben. Angelika Willig brachte in Deutsche Stimme (August 2008) diese Haltung wie folgt auf den Punkt: „Die [...] ‚Hektik? kommt daher, daß wir keine Zeit mehr zu haben glauben auf Grund der Geburtenentwicklung. Dieser Faktor zerstört im Grunde jeden Optimismus. Es kommt aber gar nicht nur darauf an, wie lange sich das deutsche Volk in der Geschichte hält, sondern welchen Eindruck es zurückläßt.”

Oswald Spengler hat diese Haltung im Schlußwort seines Buches „Der Mensch und die Technik” (1931) so beschrieben: „Wir sind in diese Zeit geboren und müssen tapfer den Weg zu Ende gehen, der uns bestimmt ist. Es gibt keinen andern. Auf dem verlorenen Posten ausharren ohne Hoffnung, ohne Rettung, ist Pflicht. Ausharren wie jener römische Soldat, dessen Gebeine man vor einem Tor in Pompeji gefunden hat, der starb, weil man beim Ausbruch des Vesuv vergessen hatte, ihn abzulösen. Das ist Größe, das heißt Rasse haben. Dieses ehrliche Ende ist das einzige, das man dem Menschen nicht nehmen kann.”

Von einer solch stolzen Haltung werden später einmal die überlieferten Erinnerungen, die Erzählungen und die Werke deutscher Nationalisten künden, wenn es keine Deutschen mehr auf dem Landstrich geben wird, den wir heute noch Deutschland nennen. Eliten späterer Generationen, die dann hierzulande einer fellachisierten Mischbevölkerung angehören werden, die – man lese Ernst Jüngers prophetischen Roman „Eumeswil” (1977) – von wechselnden Demagogen geführt werden, könnten sich aber auch der Frage zuwenden, welche Analysen und Maßnahmen damals unterlassen wurden, um den Untergang der europäischen Menschheit noch abzuwenden.

Rechte Apologeten der Marktwirtschaft

Das Zeugnis, das später einmal der nationalen Rechten ausgestellt wird, könnte sich wie folgt lesen: Man lag in der Regel in der Beschreibung der Symptome richtig – die da wären: übermäßige Konsumorientierung, Kulturverfall, demographische Katastrophe, Verausländerung, Kriminalität und Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland -, aber man weigerte sich, auf die Hauptursache der Katastrophe, auf die Marktwirtschaft, mit unverstelltem Blick zu sehen. Arne Schimmer, ein kluger nationaldemokratischer Autor, hat dieses Problem genau erkannt. Er hat den Blick dafür, daß die rechte Suche nach dem linken Sündenbock nur vom Versagen rechter Marktwirtschaftler ablenken soll: „Viele Konservative konstatieren mit einer geradezu komischen Verzweiflung eine angeblich bis heute fortdauernde politische und kulturelle Hegemonie der 68er, die nur zu Werteverfall und Konsumterror geführt habe. Wohlweislich übersehen wird dabei, daß der heute hegemoniale Neoliberalismus so gut wie gar nichts mit dem utopischen Kommunismus der 68er zu tun hat und der globale Siegeszug dieses Neoliberalismus nicht unerheblich durch die konservative Marktvergötzung begünstigt wurde.” (Deutsche Stimme, September 2008)

Was viele nationale Rechte nicht wahr haben möchte, ist die Tatsache, daß sich die demographische Katastrophe des europäischen Menschentyps nur noch mittels eines Ausstiegs aus der Marktwirtschaft abwenden ließe. Wenn man sich auf diese Lageanalyse geeinigt hätte, so könnte man sich über die zu formulierende staats- und wirtschaftspolitische Alternative immer noch streiten. Ob etwa die geplante Rückkehr zu einer nationalstaatlich gelenkten sozialen Marktwirtschaft, wie sie Martin Laus („Deutsche Akademie”) vertritt, ausreichend ist, wäre kritisch zu reflektieren. Aber immerhin nimmt dieser Autor die Marktkräfte (auch auf der Produktionsebene) kritisch ins Visier. Alternativen könnten auch die von mir bevorzugte gemischte Volkswirtschaftsordnung in einem staatlichen Lehensträgersystem sein (persönlicher, familiärer, genossenschaftlicher, kommunaler und staatlicher Besitz). Aber auch ein Rätesozialismus (wie im Spektrum der Zeitschrift „Fahnenträger” verfochten) oder eine sozialistische Planwirtschaft, wie von Falk Liepe (in „Junges Forum”) favorisiert, wäre denkbar. Beim letzteren Konzept stört mich weniger die radikale Formulierung des Sozialismus, sondern vielmehr der Umstand, daß dieses Modell in einen utopischen Raum – nach „Eurasien” – verschoben wird.

Die genannten alternativen Modelle haben aber immerhin miteinander gemein, daß hier erkannt wurde, daß die Marktkräfte – also die freie Konkurrenz des Privateigentums an Betrieben – erheblich einzuschränken oder gar aufzuheben sind. Würde man sich auf einen Ordnungsrahmen – in meinem Falle den Nationalstaat – einigen können, so würde die Frage, wie viel Sozialismus eine Volkswirtschaft vertragen kann bzw. wie weitreichend die persönliche Verfügbarkeit über Betriebe aufzuheben ist, nur eine rein akademische Frage sein, da man auch von einer sozialen Marktwirtschaft über einen Marktsozialismus (bzw. von einer „Sozialistischen Marktwirtschaft”) zu einem Sozialismus aus einem Guß gelangen könnte. Solche Schritte setzen allerdings Macht voraus, über die wir zu Zeit nicht einmal ansatzweise verfügen. Eine sozialistische Revolution müßte aber erst einmal auf das Bewußtsein einer potentiellen Bewegung wirken. Dabei stehen wir noch ganz am Anfang (siehe: www.sache-des-volkes.info). In bestimmten lateinamerikanischen Staaten – wie Venezuela und Bolivien – ist zwar der Sozialismus noch nicht eingeführt worden, aber der Weg in diese Richtung ist unverkennbar beschritten worden.

Bislang ist der breiten Mehrheit auf der Rechten in unseren Breiten noch nicht bewußt, daß die Marktwirtschaft an sich die hautpsächliche Ursache für den bevorstehenden Volkstod darstellt. Der demographische Schrumpfungsprozeß an sich müßte noch nicht den Untergang der europäischen Menschheit nach sich ziehen. Nationale Theoretiker, deren Denken sich in den Bahnen von Mathematik und Physik bewegt, kommen allzu schnell auf die abwegige Idee, daß geographische Räume, die sich allmählich leeren, von außen irgendwie aufgefüllt werden müßten, weil sonst ein Vakkuum entstünde. Dies ist zumindest für mich keine überzeugende Logik. Es gibt jedenfalls keinen Grund dafür, daß Millionen von Farbigen in Alaska einwandern – nur weil dort die Bevölkerungsdichte der überwiegend weißen Bevölkerung sehr gering ist. Ähnliches ließe sich von Kanada sagen. Deutschland ist heute schon viel zu dicht bevölkert, so daß ein Schrumpfungsprozeß als Heilungsprozeß verstanden werden könnte. Auch in früheren Epochen, etwa nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), war die Volkszahl zusammengeschrumpft. Eine Regeneration war jedoch bei entsprechenden Machtverhältnissen immer noch möglich.

Was spräche aus nationaler Sicht dagegen, wenn eines Tages in West- und Mitteldeutschland statt 82 Millionen Einwohner nur noch 40 Millionen Deutsche wohnten? Wir hätten dann die Bevölkerungsdichte Anfang des 19. Jahrhunderts erreicht. Im Vergleich zu anderen Weltregionen wären wir immer noch dicht besiedelt. Sicherlich, bis eine neue Familienpolitik greifen würde, gäbe es weniger Arbeitskräfte und weniger Beitragszahler für die sozialen Netze. Hier müßten strukturelle Umstellungen erfolgen – in der Lebensarbeitszeit (Rente mit 67 ist in der BRD schon eingeführt) und in der Rentenformel (Kinderfaktor einführen, kinderreiche Paare begünstigen, bei Tendenz zur Einheitsrente hinsichtlich des beruflichen Erwerbsleben). Zusätzlich wäre ein Müttergehalt einzuführen.

Der einzige wirkliche Hinderungsgrund für einen solchen Schritt ist allerdings die Marktwirtschaft, die von Natur aus auf Expansion bzw. Wachstum ausgerichtet ist. Bei einer schrumpfenden Bevölkerung im Inland wäre bei dem Gebot des marktwirtschaftlichen Wachstums aber zwingend „Zuwanderung” notwendig, also zusätzliche Arbeitskräfte, Mieter und Konsumenten. Sonst würden in absehbarer Zeit die Löhne steigen, die Mieten sinken, mangels ausreichender Nachfrage die Preise für Konsumartikel verfallen. Dies wäre allerdings eine Katastrophe für das Großkapital am Wirtschaftsstandort Deutschland!

Hingegen müßte der demographische Schrumpfungsprozeß von einem ökonomischen Schrumpfungsprozeß begleitet werden. Hierzu müßte Deutschland künftig auf die Jagd nach dem Titel des „Exportweltmeisters” verzichten, weil der – seit den 1960er Jahren – nur mit immer mehr „Gastarbeitern” erreichbar ist.

Kapitalismus ist geschichtlicher Prozeß

Die Marktkräfte befanden sich zu Alexanders, Cäsars und Napoleons Zeiten noch auf wesentlich niederer Stufenleiter. Die technischen Möglichkeiten bzw. die Produktivkräfte waren noch unterentwickelt. Durch neue Produktionstechniken (Dampfmaschine, Verbrennungsmotor, Fließband, Roboter, Computer usw.), Optimierung von Transportmöglichkeiten und Nachrichtentechnik ist die Möglichkeit, großes Kapital in den Händen einer Minderheit immer schneller anzuhäufen, immens angestiegen.

Die Kapitalakkumulation, die Marx und Engels in ihrem Werk detailgenau beschreiben, hat über die Jahrhunderte hinweg den Konzentrationsprozeß vorangetrieben, so daß nun im letzten Akt der Globalisierung folgerichtig das Politische als eigenständige Instanz von der Ökonomie aufgehoben wurde. Während rechte Autoren immer noch nach den Hintermännern suchen, welche verhängnisvolle politische Entscheidungen fällen, so als ob es noch so etwas wie das Primat der Politik gäbe, finden wir heute in Wirklichkeit ein von den Nationalstaaten emanzipiertes Weltkapital vor, welches das Politische aufgehoben hat. Das „Nationale” ist allerdings dabei nicht vollständig aufgehoben. Die Restbestände des bürgerlichen Nationalstaats werden von der Bourgeosie als Regulationsinstanz gebraucht (gerade zur Zeit, da wir eine Finanzkrise erleben).

Das völlige Chaos wäre unverantwortbar, schließlich geht es darum, das Privateigentum der Bonzen vor dem Pöbel zu schützen. Das „Nationale” hat nun aber nichts mehr mit Volk, Rasse oder Nationalkultur gemein. Die transnational vernetzte Bourgeosie setzt sich selbstherrlich alleine mit „Nation” gleich. Es geht um den Wirtschaftstandort Deutschland bzw. Österreich als Quelle von Profitmaximierung und Zinserträgen. Alexander der Große hatte weder die Anzahl an Besatzungssoldaten, um von ihm unterworfene Länder wirklich gleichzuschalten, eine Einzheitszivilisation durchzusetzen; er hatte auch nicht die Zeit dazu, weil ihm die (geeignete Transport- und Nachrichten-) Technik fehlte. Zu Pferd läßt sich ein Weltreich nicht so schnell erobern und festigen. Eroberungskriege können mit heutigem militärischem Gerät schneller abgeschlossen werden. Hitlers Panzerarmeen und Luftwaffe mit samt Nachschub der Reichsbahn hatten den Großteil Europas und Nordafrikas in nur knapp drei Jahren erobert. Um den Irak Saddam Husseins niederzuringen, brauchten die USA drei Wochen. Für Alexander, Cäsar und Napoleon war diese Geschwindigkeit unvorstellbar! Die Globalisierung läßt heute Zeit und Raum zusammenschmelzen.

Was die vielen fanatischen Zinstheoretiker auf der Rechten nicht verstehen, ist der Umstand, daß die Konzentration des Kreditwesens und somit dessen Machtansammlung eine Folge der Revolution in der Produktionssphäre ist. Dies wird von denjenigen, die realitätsfern zwischen gutem Produktionskapital und bösem Geldkapital unterscheiden wollen, einfach ausgeblendet. In früheren Epochen konnte ein Produzent oder Kaufmann seine ökonomischen Projekte noch mit einer Kleinbank abwickeln. Die Daimler AG wird wohl heute ihre Investitionen nicht alleine über die Stadtsparkasse Stuttgart abwickeln. Selbst die Dresdner Bank ist heute zu kein geworden, sie wurde deshalb kürzlich von der Commerzbank geschluckt. Die Größenordnungen haben sich infolge des Konzentrationsprozesses verändert. Die Macht der Banken hängt heute mit deren Größe zusammen, deren Größe aber bezieht sich auf die Größenverhältnisse im Produktionskapital (das Thema „Zins” hatte Karl Marx übrigens umfassend in seinem Kapital, 3. Band, 29.-34. Kapitel, behandelt – so viel zu der unsinnigen Behauptung aus dem rechten Ghetto, der Jude Marx habe dieses Thema ausgeblendet, um jüdische Geldverleiher zu schonen).

Nicht zur Kenntnis genommen wird auf der Rechten auch die Erkenntnis, die schon W. I. Lenin zueigen war, daß modernes Finanzkapital eben nicht nur großes Bankkapital darstellt, sondern eine Verschmelzung von großem Bank- und (!!!) Industriekapital. Wie die Branchen heute miteinander vernetzt sind – über Kapitalbeteiligungen und Aufsichtsratsposten – kann man dem Buch des marxistischen Autoren Stefan Engel „Götterdämmerung über der ‚Neuen Weltordnung?” (2003) entnehmen. Es ist alles miteinander vernetzt: Bankkapital und Versicherungskonzerne werden zu Allfinanz-Konzernen; Immobilienunternehmen und Automobilindustrie sind mit dem Bankkapital verflochten. Die chemische Industrie investiert in Agrarfabriken, an die sie Dünger verkauft, die Lebensmittelindustrie hält sich Agrarfabriken als billige Beschaffungsquelle abhängig. So könnte man schier endlos fortfahren. Und alles ist zudem transnational miteinander vernetzt.

Der fanatische Versuch von Rechten, das gute Produktionskapital vom bösen Geldkapital trennen zu wollen, wird immer lächerlicher. Lächerlich ist auch der Versuch, zwischen gutem deutschem und bösem ausländischem Kapital zu unterscheiden. So gibt es ausländische Konzerne, die in Deutschland investieren, und deutsche Kapitalisten, die ihre Arbeitsplätze aus Kostenersparnis ins Ausland verlagern.

Es geht also nicht darum, wie die Rechten oftmals meinen, den Bösewicht zu suchen, der den Schalter von „Gut” auf „Böse” umgestellt hat, sondern das System Kapitalismus (= Marktwirtschaft) als das Übel an sich zu erkennen. Dazu müßten die Rechten aber auch einen Blick in den Spiegel wagen. Davor schrecken sie allerdings zurück.

Sehr geehrte Herren Burschenschafter, ich glaube es ist in meinem Vortrag deutlich geworden, daß die „Freiheit und Selbständigkeit des Vaterlandes”, die in der Verfassungsurkunde der Jenaischen Urburschenschaft von 1815 als Maßstab für alle Burschenschaften formuliert sind, heute – im Zeitalter der Globalisierung – nicht mehr auf Grundlage der vorherrschenden bürgerlichen Ordnung einzulösen sind. Wer das deutsche Volk in seinem genetischen und kulturellen Bestand zu retten gedenkt, muß sich in aller Öffentlichkeit gegen die parlamentarische Scheindemokratie und gegen die kapitalistische Eigentumsordnung der BRD wenden. Wer freilich danach strebt, in den „Verfassungsschutzberichten” des Systems nicht genannt zu werden, weil ihm die eigene wirtschaftliche Existenz wichtiger erscheint als das deutsche Volk, der wird dieser Aufgabe allerdings nicht gerecht werden können.